Das Stilgeheimnis

Minimalismus ist der Luxus unserer Zeit

Studio von Oliver Jungel in Düsseldorf
Oliver Jungel und sein Düsseldorfer Studio: Unverkennbar der werthaltige und reduzierte Stil, der seit 2001 auch in diversen Ralf Schmitz Immobilien zu finden ist.

„Eigentlich mag ich das Wort Luxus nicht besonders, ich nenne es lieber Komfort“, sagt Oliver Jungel. Schon als junger Mann hatte der international arbeitende Innenarchitekt seine sehr eigene Vorstellung von Notwendigkeit und Überfluss. Vom ersten verdienten Geld, leistete er sich ein Paar Lederschuhe, die ihn zwar ein kleines Vermögen kosteten, aber er trug sie lange und gern und es faszinierte ihn, dass sie, obwohl abgetragen und patiniert immer schöner wurden. An dieser Begeisterung für Reduktion hat sich im Laufe der Zeit nicht viel verändert – man benötigt wenig, dafür muss es bedingungslos hochwertig sein und von einer Qualität, die man förmlich einatmen kann. Ein Gespräch über erlesene Interieurs, zeitgenössischen Stil und Wohnkomfort.

Langlebige Schönheiten: Pierre Jeannerets Sitzgelegenheiten reihen sich kunstvoll an feine Keramiken und industriellen Chic – für moderne Designtrends hat Oliver Jungel wenig übrig.

Reduktion und Einrichtung, wie hängt beides für Sie zusammen?
Oliver Jungel: Man fokussiert die Dinge, setzt sich ganz anders mit Ihnen auseinander – ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass ein einziger Stuhl und darüber ein großartiges Kunstwerk ein tiefere Verbindung mit dem Moment und der Zeit darstellt , als beispielsweise 40 verschiedene Bilder an der Wand und eine imposante Ansammlung von Sofas und Sesseln. Sobald man das Wesentliche aus der Vielfalt herausfiltert, gewinnt es an Bedeutung. Und so gestalte ich Räume – wie eine Essenz.

Charakterisieren Sie doch bitte ihren eigenen Geschmack!
Jungel: Ich habe ein Auge für Unikate und Originale, Kopien und Massenprodukte erzählen nichts, also interessieren sie mich auch nicht besonders. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen – um für mich einen Wert zu besitzen, muss ein Möbelstück oder Objekt nicht unbedingt teuer sein:

Vor kurzem habe ich in Jerusalem ein Ölarbeit eines wenig bekannten Künstlers aus den 70er Jahren erworben. So eine Werk zum Beispiel macht mich glücklicher, als manch andere internationale Kunst die ich besitze.

Worin wird Ihre Arbeit in einem Projekt sichtbar?

Jungel: Ich gehe da sehr von meinem eigenen menschlichen Bedürfnis aus und das knüpft an an die Ideen des Wohnens im frühen 20. Jahrhundert an. Man möchte atmen, man braucht Licht und man möchte sich mit natürlichen Materialien wie Holzböden oder Naturstein umgeben. Die menschliche DNA erkennt diese vertrauten Elemente, und sie erkennt ebenso gutes, traditionelles Handwerk und solide Baukunst – in dieser Art von Architektur fühlen wir uns wohl und sicher und in diese Richtung sollten wir auch wieder gehen .

Ihr Studio ist bereits ein sehr außergewöhnlicher und stilvoller Ort! Dient er auch dazu Kunden geschmacklich in eine bestimmte Richtung zu lenken?
Jungel: Es kommen mit Sicherheit Kunden, die ein Stück von dem Studio bei sich Zuhause haben möchten und diese Art Lebens- und Wohnkultur anziehend finden. Das war aber nicht meine Intention als ich den Showroom gebaut habe. Ich dachte nur, dass ich die hier vorhandenen Dinge gern um mich habe und es sieht bei mir Zuhause auch nicht anders aus. Die Art, wie ich arbeite scheint bei den Leuten einen Nerv zu treffen, was mich sehr freut.

Less is more: Durch einfache, aber gekonnte Kombinationen aus Möbeln und Objekten lenkt Jungel den Fokus auf die Beschaffenheit der Dinge.

Wie weit können Sie während eines Projektes von ihrem persönlichen Geschmack abweichen?

Jungel: Das muss ich meist gar nicht, denn sobald ich von einem Objekt oder Kunstwerk begeistert bin, springt der Funke auf meine Kunden über. Und das funktioniert auch, wenn ich von etwas so gar nicht begeistert bin. Insofern musste ich mich bisher nicht besonders verbiegen.

Gesamtkonzepte und ein Auge fürs Detail. Woher denken Sie, haben Sie diese Fähigkeit?
Jungel: Ich habe schon immer meine Augen offen gehalten, alles um mich herum aufgesaugt. Ich kann nicht weggucken – das trainiert diese Fähigkeit vom Gesamten bis ins Detail anzuordnen ungemein.
Mich beschäftigen die großen Fragen unserer Zeit und was wir alle an die nächste Generationen und ich meinen Sohn weitergeben kann. In vielen Kooperationen und zusammen mit meinen Mitarbeitern, arbeite ich daran, Qualität zu schaffen, die die Zeit überlebt.

Welche Designtendenz ist im Moment besonders populär?
Jungel: Mit Sicherheit die klassische Handwerksarbeit – da gibt es unglaublich talentierte kreative Menschen , die faszinierende Entwürfe liefern und mit traditionellen Techniken zeitgenössische Möbel kreieren. An kurzfristigen Designideen bin ich nicht interessiert .