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Herald International

AB SOFORT ERHÄLTLICH: In seiner neunten Ausgabe widmet sich der Herald einer Frage, die leise wieder in die Architekturdebatte unserer Zeit zurückgekehrt ist: Was lässt ein Gebäude wirklich zu seiner Stadt gehören?

Friederike von Greve 26. Mai 2026 · Aktualisiert: 27. Mai 2026 · Lesezeit: 2 Minutes

In einer Zeit, die von Geschwindigkeit, Liquidität und architektonischem Spektakel geprägt ist, ist Dauerhaftigkeit zu einer radikalen Idee geworden. In Europa und Nordamerika ist eine vertraute Frage leise in die Architekturdebatte zurückgekehrt: Was lässt ein Gebäude wirklich zu seiner Stadt gehören? Nicht nur vorübergehend. Nicht nur als visuelles Statement. Das Konzept von Herald International gibt wichtige Impulse für die Diskussion über den urbanen Raum.

CLASSIC PLANNING HERALD no 9

Das vollständige Interview, ergänzt durch Beiträge über Poundbury, das Havanna des 21. Jahrhunderts, das Werk von Robert Adam und jene Projektentwickler, die Städte mit Blick auf Jahrhunderte bauen. Gedruckt auf ungestrichenem Papier und gebunden im unverwechselbaren Format des Herald.

Das Classic Planning Institute berät und lehrt traditionelle Architektur und urbanes Design, eine Akademie für traditionelle Architektur und klassische Stadtplanung sowie eine “Community of Practice”. Das Institut verfügt außerdem über ein Labor, das die Wissenschaft der Schönheit erforscht, sowie über eine Bibliothek, die klassisches Wissen kuratiert.

Geleitet wird das Classic Planning Institute von Dr. Nir Buras, dem Autor von The Art of Classic Planning (Harvard University Press, 2019).

Ein deutlich anderes Modell des Bauens

In den vergangenen Jahrzehnten hat Projektentwicklung häufig Effizienz, Markenbildung und schnelle Umschlagzyklen priorisiert. Straßen haben Quadratmeter gewonnen, dabei jedoch oft an Charakter verloren. Gebäude werden fertiggestellt, vermarktet und gehandelt, manchmal noch bevor sie wirklich Teil des städtischen Lebens um sie herum geworden sind. In einem solchen Umfeld ist Verantwortung häufig fragmentiert.

Vor diesem Hintergrund präsentiert die Arbeit des deutschen Projektentwicklers Ralf Schmitz ein deutlich anderes Modell. Das 1864 gegründete Unternehmen, das unter dem eigenen Familiennamen baut, arbeitet mit einem Zeithorizont, der weit über den typischen Projektzyklus hinausreicht. Für Ralf Schmitz ist Reputation kein Marketinginstrument, sondern ein generationenübergreifender Wert. Risiko wird nicht externalisiert. Verantwortung ist persönlich.

Dusseldorf-Zoo-Achenbach43 Gerageneinfahrt
ACHENBACHSTRASSE 43 IN DÜSSELDORF-ZOO. Sebastian Treese Architekten.
Kissinger Strasse in Berlin-Schmargendorf, hier erkennt man das opulent große, aufwändige Atelierfenster sowe die Ziergiebel der Fassade
KISSINGER STRASSE 3-5 IN BERLIN_SCHMARGENDORF. Sebastian Treese Architekten.

Die Logik der Dauerhaftigkeit

Ein Dialog mit Dr. Axel M. Schmitz von Michelle Sofge

Ein kurzer Auszug aus dem Gespräch:

Die strategische Bedeutung des Namens eines Projektentwicklers ist ein wesentlicher, doch oft übersehener Bestandteil architektonischer Qualität. In einem offenen Austausch reflektiert die fünfte Generation der Familienführung über Tradition, Risiko und die Geduld, die es braucht, um für ein Jahrhundert zu bauen.

Ihr Unternehmen hat Wurzeln, die bis ins Jahr 1864 zurückreichen. Wie haben Tradition und familiäres Erbe Ihre persönliche Haltung als Projektentwickler geprägt?

Unsere lange Tradition prägt unser Handeln auf ganz besondere Weise. Jede Generation trägt Verantwortung in zwei Richtungen: gegenüber den kommenden Generationen, mit dem Anspruch, ein respektiertes und stabiles Unternehmen zu übergeben, und gegenüber jenen, die vor uns kamen. Ihnen sind wir es schuldig, das, was sie aufgebaut haben, fortzuführen und weiterzuentwickeln, nicht es zu verwässern.

Anders als viele Projektentwickler schaffen wir nicht für jedes Projekt eine neue Marke. Wir bauen immer unter unserem eigenen Namen. Als Familie und als Unternehmen stehen wir voll und ganz hinter jedem Projekt, das wir entwickeln.

Was bedeutet „klassische Architektur“ für Sie im 21. Jahrhundert, und warum ist sie im heutigen urbanen Kontext wichtig?

Wir bauen nicht in einer klassischen oder traditionellen Sprache, weil wir moderne Architektur ablehnen. Uns leitet eine viel grundlegendere Frage: Wo fühlen sich Menschen wirklich wohl, und welche Architektur bewährt sich über die Zeit?

Mit nachhaltig meine ich nicht in erster Linie technische Effizienz, sondern Gebäude, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg positiv im Straßenbild wahrgenommen werden und den Menschen im Inneren ein echtes Gefühl von Zuhause geben.

Warum bevorzugt die Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach immer wieder traditionelle Straßenbilder, während Fachleute sie so häufig ablehnen?

Viele Architekten werden in einem stark theoretisch geprägten Umfeld ausgebildet. Die breite Öffentlichkeit nähert sich Architektur ganz anders. Sie beurteilt Gebäude danach, wie sie sich anfühlen, wie sie altern und wie sie das alltägliche Leben begleiten.

Einer der schönsten Momente für mich ist, wenn das Gerüst fällt, ich einfach in der Nähe stehe und Passanten sagen höre: „Das ist wirklich schön geworden.“ Eine solche Reaktion lässt sich nicht theoretisieren. Sie ist unmittelbar und ehrlich.

Wenn Menschen in 100 Jahren an Ihren Gebäuden vorbeigehen, was hoffen Sie, dass sie über sie sagen werden?

Ich hoffe, dass die Menschen sie gar nicht infrage stellen. Ich hoffe, sie empfinden einfach, dass die Gebäude dorthin gehören, als wären sie schon immer Teil dieses Ortes gewesen. Das größte Kompliment wäre nicht Bewunderung, sondern Akzeptanz.

Wenn in hundert Jahren jemand vorbeigeht und denkt: „Natürlich steht das hier“, dann haben wir etwas richtig gemacht.

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Ein Gewand aus warmrotem Backstein, inspiriert von nobler britischer Architektur: ein Mauerwerk, das dem Gebäude erlaubt, in seinem urbanen Kontext würdevoll zu reifen. Sebastian Treese Architekten.
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Eine klassische Formensprache von haptischer Präzision, die dem historischen Wilmersdorf seine Würde zurückgibt. Sebastian Treese Architekten.

Friederike von Greve

Seit Jahren als Leiterin des Marketing mit dem Unternehmen verbunden, stehen Immobilien-, Wohn- und Designthemen im Fokus.

Quellenangaben

  1. https://www.classicplanning.org/herald